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Allgemeines Der Selbstansatz von Schwarzweiß-Entwicklern für Negativfilme ist sehr einfach. Hier vorgestellt werden Rezepte für Zweibad-Entwickler, die sich vor allem durch einen günstigen Gradationsverlauf und meist auch hohe Empfindlichkeitsausnutzung auszeichnen. Sofern Sie im Besitz einer Präzisionswaage und die erforderlichen Meßbehälter besitzen, ist der Ansatz von S/W-Zweibadentwicklern kaum schwieriger als der Ansatz von fertig angebotenen Entwicklern.
Zweibad-Entwickler vereinen viele Vorteile: Sie haben eine hohe Schärfe, können trotzdem empfindlichkeitssteigernd sein ( Zweibad-Microphen), haben einen günstigen Gradationsverlauf und sind im Verbrauch extrem sparsam. Theoretisch wird nur die Menge an Entwickler verbraucht, mit der sich der Film vollsaugt - und das ist extrem wenig. In der Praxis kommt die Menge hinzu, die trotz sorgfältigen Abtropfens in der Entwicklungsdose verbleibt, die aber nur wenige Milliliter beträgt. Aus diesem Grund ist dieser Typ von Entwickler für die Industrie ziemlich uninteressant. Der einzige Nachteil für den Anwender ist, daß man mit zwei Bädern statt nur einem arbeiten muß und Lösung 2 nicht durch Lösung 1 verunreinigt werden darf, wodurch sorgfältiges Hantieren erforderlich wird.
Sollte zuviel Lösung 1 in Lösung 2 geraten sein, verwirft man einfach Lösung 2 und setzt sie neu an. Lösung 1 muß erst dann durch einen neuen Ansatz ersetzt werden, wenn der Entwickler oxidiert ist. Dies erkennt man an einer dunklen Färbung. Hierbei darf man sich aber nicht durch die Färbung täuschen lassen, die durch Auflösen der Lichthofschutzschicht des Films entsteht und den Entwickler im Laufe der Zeit trübe werden läßt. Empfehlenswert ist, den Entwickler von Zeit zu Zeit zu filtrieren.
Ich meine, daß dieser Entwicklertyp für den Hobbyanwender eigentlich nur Vorteile bietet und empfehle diesen deshalb ausdrücklich.
Die Wirkungsweise ist folgende: Lösung 1 enthält im wesentlichen nur die Entwicklersubstanz, Oxidationsschutzmittel (meist Natriumsulfit) und ggf. Antischleiermittel (meist Kaliumbromid). Aufgrund des sehr niedrigen pH-Wertes erfolgt die Entwicklung so langsam, daß nach der üblichen Verweildauer nur in Ansätzen mit sehr niedriger Dichte eine Entwicklung stattgefunden hat. Durch Verbringen in Lösung 2, die im wesentlichen den pH-Wert erhöht, wird der Entwicklungsvorgang gestartet. Stellen im Film, die wenig belichtet wurden, werden ganz normal entwickelt. An Stellen, die viel Licht abbekommen haben, wird der in der Schicht befindliche Entwickler langsam verbraucht, wodurch die Entwicklung immer langsamer voranschreitet. Dadurch flacht der Dichtezuwachs immer mehr ab. Aus diesem Grund erhält man Negative mit gut kopierbarem Dichteverlauf. Man erhält Abzüge mit gut durchzeichneten Schatten, bei denen trotz brillianter Darstellung trotzdem die Lichter nicht ausfressen. Hinzu kommt, daß aufgrund des nur begrenzt vorhandenen Entwicklers Kanteneffekte auftreten, die die Schärfe erhöhen. Der Kanteneffekt kommt dadurch zustande, daß bei dicht aneinandergrenzenden Flächen unterschiedlicher Helligkeit in der im Negativ dunkleren Fläche der Entwickler stärker verbraucht wird als in der helleren Fläche. Verbrauchter Entwickler, besser gesagt die Reaktionsprodukte, hemmen die Entwicklung. Aufgrund der räumlichen Nähe hemmen die in der dunkleren Fläche gebildeten Reaktionsprodukte auch den Entwickler in den angrenzenden helleren Stellen. Der Reaktionsradius ist dabei sehr klein und tritt nur unmittelbar an einer Kante, also einem Hell-/Dunkelübergang auf (daher der Name Kanteneffekt). Die helle Fläche wird in unmittelbarer Nähe zur Kante dadurch etwas heller, was dem Auge einen besonders "steilen" Übergang und damit eine erhöhte Schärfe vorgaukelt. Der Effekt nimmt mit dem Helligkeitsunterschied der beiden Flächen zu.
Zweibad-D76Benötigte Chemikalien | Ansatz und Verwendung |
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Lösung 1: | Wasser | 850,0 | ml | Calgon | 2,0 | g | Metol | 2,0 | g | Natriumsulfit sicc. | 100,0 | g | Hydrochinon | 5,0 | g | Kaliumbromid | 1,0 | g | Mit Wasser auffüllen auf | 1000,0 | ml |
Lösung 2: | Wasser | 850,0 | ml | Calgon | 2,0 | g | Natriumtetraborat (Borax) | 50,0 | g | Mit Wasser auffüllen auf | 1000,0 | ml |
| Lösen Sie die Chemikalien in der angegebenen Reihenfolge im etwa 50 °C warmen Wasser. Es muß sich unbedingt alles gelöst haben, bevor Sie eine weitere Chemikalie hinzugeben. Zum Schluß füllt man mit Wasser auf ein Gesamtvolumen von 1000 ml auf. Sofern Sie nur sehr hartes Wasser zur Verfügung haben, sei destilliertes bzw. entmineralisiertes Wasser (z.B. aus dem Baumarkt) empfohlen. Bei luftdichtem Verschluß (hoch gefüllte Glasflasche; nur bei Lösung 1 erforderlich) liegt die Haltbarkeit bei mindestens einem Jahr.
Entwickelt wird in der Stammlösung zuerst 4 Minuten in Lösung 1. Hier findet so gut wie keine Entwicklung statt. Stattdessen saugt sich lediglich die Schicht mit Entwickler voll. Danach muß die Entwicklungsdose gründlich abtropfen, damit möglichst wenig Reste von Lösung 1 darin verbleiben (aber keinesfalls zwischenwässern!). Der eigentliche Entwicklungsvorgang startet mit dem Einfüllen von Lösung 2, die durch pH-Wertverschiebung den in der Schicht befindlichen Entwickler zum Entwickeln bringt. Dieser Vorgang dauert ebenfalls 4 Minuten.
Die Entwicklungszeit ist vor allem in Lösung 1 nicht sehr kritisch, da sich dort lediglich die Schicht vollsaugt. Durch Veränderung der Verweilzeit in Lösung 2 kann man wie bei einem Einbadentwickler in Grenzen den Beta-Wert, d.h. die mittlere Gradation, beeinflussen. |
Zweibad-MicrophenBenötigte Chemikalien | Ansatz und Verwendung |
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Lösung 1: | Wasser | 850,0 | ml | Calgon | 2,0 | g | Natriumsulfit sicc. | 50,0 | g | Hydrochinon | 5,0 | g | Phenidon | 0,3 | g | Kaliumbromid | 0,5 | g | Mit Wasser auffüllen auf | 1000,0 | ml |
Lösung 2: | Wasser | 850,0 | ml | Calgon | 2,0 | g | Natriumtetraborat (Borax) | 20,0 | g | Borsäure | 10,0 | g | Kaliumbromid | 0,5 | g | Mit Wasser auffüllen auf | 1000,0 | ml |
| Lösen Sie die Chemikalien in der angegebenen Reihenfolge im etwa 50 °C warmen Wasser. Es muß sich unbedingt alles gelöst haben, bevor Sie eine weitere Chemikalie hinzugeben. Zum Schluß füllt man mit Wasser auf ein Gesamtvolumen von 1000 ml auf. Sofern Sie nur sehr hartes Wasser zur Verfügung haben, sei destilliertes bzw. entmineralisiertes Wasser (z.B. aus dem Baumarkt) empfohlen. Bei luftdichtem Verschluß (hoch gefüllte Glasflasche; nur bei Lösung 1 erforderlich) liegt die Haltbarkeit bei mindestens einem Jahr.
Entwickelt wird in der Stammlösung zuerst 4 Minuten in Lösung 1. Hier findet so gut wie keine Entwicklung statt. Stattdessen saugt sich lediglich die Schicht mit Entwickler voll. Danach muß die Entwicklungsdose gründlich abtropfen, damit möglichst wenig Reste von Lösung 1 darin verbleiben (aber keinesfalls zwischenwässern!). Der eigentliche Entwicklungsvorgang startet mit dem Einfüllen von Lösung 2, die durch pH-Wertverschiebung den in der Schicht befindlichen Entwickler zum Entwickeln bringt. Dieser Vorgang dauert ebenfalls 4 Minuten.
Die Entwicklungszeit ist vor allem in Lösung 1 nicht sehr kritisch, da sich dort lediglich die Schicht vollsaugt. Durch Veränderung der Verweilzeit in Lösung 2 kann man wie bei einem Einbadentwickler in Grenzen den Beta-Wert, d.h. die mittlere Gradation, beeinflussen. |
Einfachst-ZweibadentwicklerBenötigte Chemikalien | Ansatz und Verwendung |
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Lösung 1: | Wasser | 850,0 | ml | Metol | 5,0 | g | Natriumsulfit sicc. | 100,0 | g | Mit Wasser auffüllen auf | 1000,0 | ml |
Lösung 2: | Wasser | 850,0 | ml | Natriumcarbonat sicc. | 15,0 | g | Natriumsulfit sicc. | 6,0 | g | Mit Wasser auffüllen auf | 1000,0 | ml |
| Dieses Beispiel soll nur der Vollständigkeit halber verdeutlichen, wie einfach ein Zweibadentwickler sein kann. Dieses Rezept wurde von Hrn. Leitz (ja genau: der Begründer der gleichnamigen Kamerafirma) mit dem Aufkommen der Kleinbildfilme vorgeschlagen. Es ist also nicht mehr ganz neu. Der Zusatz von je 2 g Calgon wird empfohlen.
Lösen Sie die Chemikalien in der angegebenen Reihenfolge im etwa 50 °C warmen Wasser. Es muß sich unbedingt alles gelöst haben, bevor Sie eine weitere Chemikalie hinzugeben. Zum Schluß füllt man mit Wasser auf ein Gesamtvolumen von 1000 ml auf. Sofern Sie nur sehr hartes Wasser zur Verfügung haben, sei destilliertes bzw. entmineralisiertes Wasser (z.B. aus dem Baumarkt) empfohlen. Bei luftdichtem Verschluß (hoch gefüllte Glasflasche; nur bei Lösung 1 erforderlich) liegt die Haltbarkeit bei mindestens einem halben Jahr.
Entwickelt wird wie bei allen Zweibadentwicklern in der Stammlösung. Die Entwicklungszeit pro Bad liegt bei 4 bis 8 Minuten abhängig vom Film. Genaue Angaben liegen mir nicht vor, da dies wie gesagt nur ein Beispiel für die Einfachheit sein soll. |
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